Die ausgewählten Filme sind Inhalt der Vorlesung von Prof. Györffy zum Ungarischen Film und erlauben so eine intensive Auseinandersetzung. Beide Filme haben auch außerhalb Ungarns hohes Ansehen und Preise errungen und sind sowohl für den geschichtlichen als auch kulturellen Bezug zu Ungarn und dem ehemaligen Sozialismus ein zeitgeschichtliches Werk.
Untertitel in Englisch (funktionieren)
Idő van
Péter Góthár, 1985
(frei übersetzt: Es ist Zeit, Es gibt Zeit)
Do. 23. April 2009, 18:30 im Finno-Ugristik Hörsaal 1
Péter Góthárs Film gibt einen scharfen unzensurierten Einblick in die damalige Gesellschaft Ungarns. Eine Familie beginnt ihren Urlaub mit dem üblichen Stress. Das Ziel ist Balaton, der größte Binnensee Mitteleuropas, der Badespaß und Erholung für die Familie sein sollte. Es zeigt sich aber bei der Ankunft bereits ein surreales Bild: Mitten in der Hochsaison ist das Hotel komplett Menschenleer, aber sie dürfen als Familie nur ein Einbettzimmer beziehen. Absurditäten? Schikanen? Nein, wer das damalige System im Kommunismus kannte wird ähnliche Situationen für “normal” befinden. Plötzlich wird die Mutter aus unerfindlichen Gründen krank und reist zurück nach Budapest zur Behandlung. Währenddessen besucht der Vater seine Familie. Ziemlich banale Geschichte würde man meinen, wenn sie nicht auf der Grundlage des Autors Péter Eszterházys wäre. Sein Stil benutzt eine große Menge an Surrealismus die die damalige Realität im Sozialismus beleuchtet. Im Film ist die Realität eine aufgesplitterte Gesellschaft, wo die kommunistischen Ideale nirgends vorhanden sind, obwohl jeder nach ihnen damals leben sollte. Viel mehr irren die Personen komplett disorientiert herum in ihrem Alltag. Diese Situation ist durch den Hauptdarsteller, dem Vater, charakterisiert. Als typisches Beispiel wird er mit der Verantwortung über seine Familie nicht fertig.
Es gibt keine Aussage im Film, keine Botschaft an den Zuseher – er zeigt uns eine Gesellschaft aufgewachsen im Kommunismus ohne Ideale, ohne Ziele. Der Vater treibt alleine im Alltag umher und wird nur duch äußere Impulse der verordneten Systems gelenkt – so wie auch jeder einzelne zur damaligen Zeit Ungarns. Der Film ist keine Komödie, aber auch keine Belehrung – er zeigt uns in einen Einblick in das damalige Gesellschaftssystem, welches nicht nur in Ungarn, sondern in vielen Ostblockländern vorzufinden war. Generationen, die nach der Wende aufgewachsen sind oder keinen Bezug zum Sozialismus des Ostblocks haben, können über diesen Film einen Einblick in die damalige Gesellschaft vor dem Kollaps jenes Systems bekommen.
Filmausschnitt aus Idő van (Anfang)
Filmausschnitt aus Idő van:
Taxidermia, Der Ausstopfer
Pálfi György, 2007
Do. 7. Mai 2009, 18:30 im Finno-Ugristik Hörsaal 1
Die Geschichte dreier Generationen in Ungarn, radikal verfilmt von Ungarns Jungstar-Regisseur György Pálfi (Hukkle – Das Dorf). In extremen und extrem organischen Bildern erzählt er von Geburt, vom Grossen Fressen, von eingesperrter und entfesselten Trieben und vom Auslöschungstrieb der Menschheit ? ein “Film jenseits aller Normen” (Libération), ein “visueller Schock” (L’Humanité) zwischen “dem Wahnsinn Kusturicas und dem Delirium von Terry Gilliam” (L’Express)… Nach der aufsehenerregenden internationalen Premiere in Cannes 2006 wurde TAXIDERMIA – DER AUSSTOPFER zu mehr als 30 internationalen Festivals eingeladen und mit zahlreichen Filmpreisen ausgezeichnet.
Im Detail auf Deutsch www.taxidermia.at
auf Ungarisch (etwas kürzer) www.taxidermia.hu
Trailer:
Autor: Andi
